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2016

Dr. Bertold Moos-Preis

Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa

Der Wissenschaftspreis 2016 würdigte die herausragende und innovative Arbeit des Heidelberger Forschungsteams für ihren interdisziplinären Ansatz, Minderheitengeschichte als integralen Bestandteil der europäischen Gesamtgeschichte zu begreifen. Bisher fand die Auseinandersetzung mit diesem Thema vor allem auf soziologischer oder politikwissenschaftlicher Ebene statt. Das prämierte Team stellt sich hingegen die zentrale historische Frage: Wie gelingt es, die Ränder dem Zentrum anzunähern, um zu einer umfassenden „Geschichte der Vielfalt“ zu gelangen?

Die wissenschaftliche Bedeutung des Projekts liegt in seinem neuartigen methodischen Zugang. Die Forscherinnen und Forscher fokussieren sich auf die Interaktionsprozesse zwischen Mehrheiten und Minderheiten, analysieren die Entstehung historischer Stereotypen und fragen, wie aus gesellschaftlicher Diskriminierung manifeste Gewalt entstehen kann. Indem sie die Geschichte von Minderheiten konsequent mit der Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten verknüpfen, schaffen sie eine neue, tiefere Verständnisebene.

Von höchster gesellschaftlicher Relevanz ist dieses Thema insbesondere angesichts aktueller Integrationsherausforderungen und dem Wiedererstarken des Populismus in Europa. Die Toleranz- und Demokratiefähigkeit einer Gesellschaft, so die Jury, bemisst sich an ihrem Umgang mit jenen, die als „anders“ betrachtet werden. Die Forschungsarbeit leistet einen entscheidenden Beitrag, Vorurteile abzubauen und die historischen Wurzeln gesellschaftlicher Vielfalt, aber auch deren Konfliktpotenzial zu verstehen.

Ein besonderes Merkmal des Arbeitsbereichs ist die direkte Verbindung von Grundlagenforschung mit dem Dialog mit der Öffentlichkeit, etwa durch die Vortragsreihe „Talks on Minority Issues“. Der Dr.-Bertold-Moos-Preis soll diese Arbeit nachhaltig unterstützen.

Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Edgar Wolfrum bezeichnete den Arbeitsbereich treffend als eine „Perle“ seines Hauses.

Preisträger*innen

Der Arbeitsbereich „Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa“ der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg unter Leitung von Prof. Dr. Edgar Wolfrum, vertreten durch:

Dr. Birgit Hofmann (Sprecherin)

Koordinatorin des Arbeitsbereichs und Historikerin, promovierte zum Thema „Der ‚Prager Frühling‘ und der Westen“.

Magistra Daniela Gress

Doktorandin mit dem Forschungsschwerpunkt Bürger- und Menschenrechtsbewegungen der Sinti und Roma; Trägerin des Integrationsforschungspreises 2013.

Magistra Mirjam Schnorr

Doktorandin mit Forschungsprojekten zur Situation von als ‚asozial‘ verfolgten Frauen und zur Prostitution im Dritten Reich.

Dr. Martin Stallmann

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Leiter des Mediengeschichtlichen Forums und Redakteur der Zeitschrift „Rundfunk und Geschichte“.

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