2018
Dr. Bertold Moos-Preis
Wirkfaktoren menschlicher Veränderungsprozesse. Das Modell interaktionaler Veränderungsprozesse (ModiV) als Systematisierung allgemeiner, kunsttherapeutischer und kunstpädagogischer Wirkverständnisse.
Der Wissenschaftspreis 2018 würdigte eine herausragende Dissertation aus der Professionalisierungsforschung, die eine entscheidende Lücke in der modernen Lehrerbildung schließt. Während gängige Ansätze vor allem auf die Vermittlung von Fachkompetenzen zielen, bleibt die persönliche Aneignung dieser Inhalte oft unberücksichtigt. Die prämierte Arbeit von Brigitte Seiler stellt daher die zentrale Frage: Wie können zukünftige Pädagogen fachliche Lerninhalte so verinnerlichen, dass diese an ihre biografisch geprägten Muster im Denken, Fühlen und Handeln anknüpfen?
Die wissenschaftliche Bedeutung des Projekts liegt in der Entwicklung eines transdisziplinären Modells, dem „Modell interaktionaler Veränderungsprozesse (ModiV)“. Dieses systematisiert erstmals die Wirkfaktoren menschlicher Veränderung und schafft so eine theoretische Grundlage für eine persönlichkeitsorientierte Pädagogenausbildung. Der Ansatz vollzieht damit die aktuelle „anthropologische Wende“ in der Lehrerbildung, die über rein kognitives Lernen hinausgeht und auch emotionale sowie praktische Aspekte in den Professionalisierungsprozess einbezieht.
Von höchster gesellschaftlicher Relevanz ist diese Forschung für die Ausbildung künftiger Lehrkräfte, insbesondere für den Elementar- und Primarbereich. Indem Studierende die Gelegenheit erhalten, sich den Lernstoff unter Berücksichtigung ihrer eigenen Biografie anzueignen, wird ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbsteinschätzung entscheidend gefördert. Dies ist die Voraussetzung für die Entwicklung einer stabilen und authentischen Lehrerpersönlichkeit, die den komplexen Anforderungen des modernen Schulalltags gewachsen ist.
Ein besonderes Merkmal der Arbeit ist die direkte Anwendung der Forschungserkenntnisse in einem konkreten Lehr-Lernformat, das an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe bereits exemplarisch entwickelt, erprobt und evaluiert wird. Die Auszeichnung der Arbeit von Brigitte Seiler entsprach zudem in besonderer Weise den persönlichen Interessen des Stifters Dr. Bertold Moos, dessen akademisches Leben von der engen Verbindung der Geisteswissenschaften mit den Künsten und der menschlichen Psyche geprägt war.
Preisträgerin
Die Professionalisierungsforschung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, vertreten durch:
Brigitte Seiler
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