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2025

Dr. Bertold Moos-Preis

The ethics of vulnerable groups in medicine (Die Ethik vulnerabler Gruppen in der Medizin)

Der Wissenschaftspreis 2025 würdigt eine zutiefst humanistische und interdisziplinäre Habilitationsschrift, die den Blick auf die Ränder des Gesundheitssystems richtet. In seiner Arbeit beleuchtet PD Dr. med. Tobias Skuban-Eiseler die medizinische Realität von Menschen, die oft übersehen oder marginalisiert werden – etwa Menschen mit Behinderung, Transpersonen oder ältere Menschen. Seine zentrale Forschungsfrage lautet: Wer wird in unserem Gesundheitssystem gesehen und wer bleibt unsichtbar? Damit greift er ein Thema von höchster Dringlichkeit in einer Zeit zunehmender gesundheitlicher Ungleichheit auf.

Die wissenschaftliche Bedeutung des Projekts liegt in seinem eindrucksvollen polymethodischen Zugang, der Ethik, Medizin, Recht und qualitative Sozialforschung vereint. Dr. Skuban-Eiseler kombiniert Analysen von Gerichts-Urteilen mit qualitativen Interviews mit Betroffenen und ethischen Bewertungen technologischer Entwicklungen. Durch diese methodische Vielfalt gelingt es ihm, theoretische Diskurse zu verlassen und die gelebte Realität vulnerabler Gruppen in den Mittelpunkt zu rücken, was eine neue, praxisnahe Tiefe der Analyse ermöglicht.

Von höchster gesellschaftlicher Relevanz ist die Arbeit, weil sie ein klares Plädoyer für eine Medizin ist, die hinsieht und niemanden vergisst. Angesichts gesellschaftlicher Polarisierung zeigt Dr. Skuban-Eiseler, dass der Schutz vulnerabler Menschen im Zentrum stehen muss – nicht die Gewinnoptimierung. Seine Forschung ist damit ein Wegweiser hin zu einer inklusiven, gerechten und würdevollen Gesundheitsversorgung und mahnt an, dass sich die Stärke einer Gesellschaft am Umgang mit ihren schwächsten Mitgliedern misst.

Ein besonderes Merkmal der Arbeit ist ihre unmittelbare Anwendbarkeit. Sie ist, wie die Jury betonte, keine theoretische Fingerübung, sondern bietet konkrete Vorschläge für Bildung, Praxis und politische Gestaltung. Indem PD Dr. med. Tobias Skuban-Eiseler denen eine Stimme gibt, die sonst überhört werden, verkörpert seine Forschung beispielhaft den Anspruch des Stifters Dr. Bertold Moos: Wissenschaft zu fördern, die mit klarem ethischem Kompass gesellschaftliche Wirkung entfaltet und auf das blickt, was eine Gemeinschaft im Kern zusammenhält.

 

Preisträger

PD Dr. med. Tobias Skuban-Eiseler

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie international tätiger Konzertorganist. Ausgezeichnet für seine Habilitationsschrift an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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