Die Ausstellung
Zehn Jahre Bruchsaler Schlossgespräche
Die Fotoausstellung der Dr. Bertold Moos-Stiftung zeigt die „Bruchsaler Schlossgespräche“ in Bildern und Texten: Porträts der Gäste mit ihren zentralen Aussagen, Impressionen der Abende im Barockschloss und die Geschichte hinter der Gesprächsreihe.
Auf dieser Seite finden Sie alle Inhalte der Ausstellung zum Nachlesen.
Interesse geweckt?
Wenn Sie Lust haben, zu den Bruchsaler Schlossgesprächen eingeladen zu werden: Senden Sie Ihr Interesse an einer Einladung bitte unter Angabe Ihres Namens und Ihrer Anschrift an info@dr-bertold-moos-stiftung.de.
Dr. Bertold Moos
Dr. Bertold Moos war ein Karlsruher Journalist, der in der Region Nordbaden als langjähriger Redaktionsleiter der Bruchsaler Rundschau wirkte und mit seinem Vermögen die Dr. Bertold Moos-Stiftung gründete. Er beauftragte den Rotary Club Bruchsal-Schönborn mit der Verwaltung der Stiftung, die seit 2025 Wissenschaft, Forschung und Bildung fördert.
Bertold Moos studierte Geschichte, Germanistik und Anglistik. Im Anschluss an zwei Lehraufträge in Frankreich entschied er sich für eine journalistische Laufbahn. Sozial und kulturell engagierte sich Bertold Moos stark, unter anderem als Mitglied der Historischen Kommission Bruchsal und bei der Jugendfeuerwehr Bruchsal. Er war Gründungsmitglied des Rotary Clubs Bruchsal-Schönborn.
Der Rotary Club Bruchsal-Schönborn trägt die gemeinnützige Dr. Bertold Moos-Stiftung. Die Vorstandschaft setzt sich zusammen aus Roland Schäfer (Vorsitzender des Vorstands), Dr. Manfred Rohr und Tobias Nellinger; der Stiftungsrat besteht aus Dr. Klaus Gaßner (Vorsitzender des Stiftungsrats), Werner Grundel, Volker Hillenbrand, Dr. Joachim Knebel, Prof. Dr. Markus Stöckner und Dr. Matthias Redecker.
Foto: Gaby Krass
Der Karlsruher Kulturbürgermeister Albert Käuflein ist einer der Initiatoren der Schlossgespräche.
Die Bruchsaler Schlossgespräche
„Was hält die Welt zusammen“ – das ist eine Leitidee der „Bruchsaler Schlossgespräche“, die 2015 gemeinsam von Dr. Albert Käuflein, damals Leiter des Roncalli-Werks, heute Kulturbürgermeister der Stadt Karlsruhe, und dem Journalisten Dr. Klaus Gaßner, Stiftungsrat der Dr. Bertold Moos-Stiftung, ins Leben gerufen wurden.
Ihr Untertitel „Gespräche über Ethik und Religion“ rückt in den Fokus, dass die sehr auf die technische Fortentwicklung getrimmte Welt Gefahr läuft, die Rolle des Menschen nicht ausreichend zu berücksichtigen. Die Schlossgespräche richten sich an Multiplikatoren aus allen gesellschaftlichen Sparten. Die Zahl der Zuhörerinnen und Zuhörer ist begrenzt, um einen intensiven Austausch untereinander und mit dem Gast des Abends zu ermöglichen.
Die Infotafeln der Ausstellung
Mit Charme und Finesse
Ein Bundespräsident a. D. macht denen seine Aufwartung, die den Schlossgesprächen ihr unverwechselbares Profil geben: Die Damen und Herren der Cateringgesellschaft der Lebenshilfe empfangen die Gäste an der Garderobe und verwöhnen sie mit vorzüglichen Amuse-Gueules. Christian Wulff sagte bei seinem Besuch in Bruchsal persönlich „Dankeschön“.
Vom ersten Schlossgespräch an überzeugt die Partnerschaft zwischen der Dr. Bertold Moos-Stiftung und der Bruchsaler Lebenshilfe. Kreativität bei der Auswahl und Zubereitung der Speisen und Getränke, Präzision in der Logistik und viel Charme beim Umgang mit den Gästen: Das macht das Team der Lebenshilfe unter Leitung von Kristina Sax zu einer echten Bereicherung der Bruchsaler Schlossgespräche.
Starker Partner: Schlösser und Gärten
Schlossgespräch ist nie gleich Schlossgespräch. Immer wieder sind Anpassungen nötig und auch dafür bewährt sich die enge Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten. Einerseits sind die Gäste fasziniert von der besonderen Atmosphäre der Schlossgespräche, die vom Fürstensaal über den Marmorsaal und den Gartensaal bis zum berühmten Treppenhaus die beeindruckenden Seiten des Bauensembles einbeziehen.
Andererseits sorgen die Schlossgespräche für eine über die Region hinaus strahlende Wahrnehmung des Bruchsaler Schlosses als Ort geistvoller Auseinandersetzung. Sichtbarer Beleg: Der Eintrag ins Goldene Gästebuch, zu dem Jana Krämer und Laura Baumann von der Bruchsaler Schlossverwaltung die prominenten Gäste einladen.
Jana Krämer und Laura Baumann (rechts) mit Romani Rose, der sich ins Goldene Buch des Schlosses einträgt.
Musik im Treppenhaus
Dezent und apart – mit Musik im Treppenhaus werden die Gäste der Schlossgespräche empfangen. Ob es die sanften Töne der Harfenistin Claire Augier de Lavallet sind, die geschmackvollen Melodien, die Claudia Walter ihrem Saxofon entlockt, Dr. Hans-Joachim Blatz mit seiner Konzertorgel oder die musikalischen Einlagen der inklusiven Band Gilanika: Die Musik verzaubert das Schloss bei der Ankunft der Gäste und schafft eine unaufdringlich heitere Stimmung.
Spendabel
Die prominenten Gäste der Schlossgespräche verzichten allesamt auf ein Honorar. Sie nennen im Gegenzug einen Spendenzweck, der von der Dr. Bertold Moos-Stiftung großzügig gefördert wird. Auf diese Weise hat die Dr. Bertold Moos-Stiftung in den vergangenen Jahren mit einer hohen fünfstelligen Summe medizinische Forschung, Sozialprojekte, Demokratieförderung aber auch den Wiederaufbau der für die Geschichte Deutschlands bedeutsamen Potsdamer Garnisonkirche unterstützt.
Gäste der Schlossgespräche spenden traditionell für die Lebenshilfe Bruchsal, auch auf diese Weise wurde bereits ein fünfstelliger Betrag an die Organisation weitergeleitet, die sich vielfältig für Menschen mit Behinderungen einsetzt.
Eine Treppenstufe der Potsdamer Garnisonkirche trägt den Namen der Dr. Bertold Moos-Stiftung. Fotos: Roland Schäfer
Wofür steht eigentlich Rotary?
Rotary ist der älteste und einer der größten Serviceclubs der Welt. Grundlage des Clublebens ist die Pflege gemeinsamer Werte in freundschaftlichen Beziehungen und der Einsatz für die Gesellschaft – für humanitäre, soziale, medizinische oder kulturelle Ziele. Den ersten Rotary Club gründete der Rechtsanwalt Paul Harris (1868–1947) in Chicago am 23. Februar 1905 mit drei Freunden, einem Kohlenhändler, einem Bergbauingenieur und einem Konfektionär. Harris wollte in der Großstadt eine stabile Wertegemeinschaft schaffen, wie er sie als Kind auf dem Land erlebt hatte, wo jeder entsprechend seinen Fähigkeiten andere nach Möglichkeit unterstützte. Noch immer wird darauf geachtet, dass in einem Club unterschiedliche Berufe vertreten sind.
Der Name Rotary (englisch für rotierend, drehend) verweist auf den Brauch, die meisten Ämter im Club normalerweise jährlich neu zu besetzen. In 200 Staaten sind insgesamt rund 1,2 Millionen Menschen Mitglied in über 46.000 Rotary Clubs.
Das erste Wort des Abends
Das allererste Wort bei den Schlossgesprächen haben von Anfang an Schülerinnen und Schüler. Traditionell eröffnet eine Gesprächsrunde zwischen jungen Menschen und dem Gast des Abends das „Schlossgespräch“. Sehr gut vorbereitet werden schon bei diesem Aufgalopp besondere Perspektiven deutlich, zuweilen ergeben sich intensive Gespräche.
Die Idee dieser Auftaktrunde: Die Fragen, die bei den Schlossgesprächen angestoßen werden, sind Zukunftsfragen. Daher müssen junge Menschen dabei sein, wenn über Herausforderungen diskutiert wird, die sie einmal werden zu bestehen haben. Für die Schülerinnen und Schüler ist es attraktiv, mit prominenten Stimmen der Zeit in direkten Austausch zu gelangen. Wenn sie sich beim Get-together unter die anderen Gäste des Abends mischen, ist dies für beide Seiten inspirierend. Eingeladen werden regelmäßig Oberklassen von Bruchsaler Gymnasien oder berufsbildenden Schulen.
Markus Lüpertz beim Gespräch mit Schülerinnen und Schülern des Schönborn-Gymnasiums.
Die Schlossgespräche in Bildern
Stimmen aus den Schlossgesprächen
Die Porträtserie der Ausstellung – jede Gästin und jeder Gast mit einer zentralen Aussage des Abends.
„Die Entflechtung von Kirche und Staat gibt beiden Eigenständigkeit in Verantwortung.“
Klaus Engelhardt
Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland 1991–1998
22. November 2017
„Das Grundgesetz ist die beste Verfassung der Welt. Es garantiert den Bürgern nicht nur Freiheit, es macht auch eine Leitkulturdebatte überflüssig: Das Grundgesetz ist die Leitkultur.“
Muhterem Aras
Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg 2016–2026
1. Juni 2017
„Die Kirche muss sich frei machen von der Welt, um ihre Aufgabe für die Welt erfüllen zu können.“
Karl-Heinz Wiesemann
Bischof von Speyer
10. November 2016
„Alle Völker sind hier durchgekommen, von Anfang an. Deutschland war schon immer ein Einwanderungsland. Und daher wurde es zu einem der größten Kulturvölker der Erde.“
Heiner Geißler (1930–2017)
Minister a. D. und CDU-Politiker
1. Juni 2017
„Wenn es in der ‚bunten Republik‘ Deutschland mehr Vielfalt, Toleranz, Respekt und Wertschätzung für alle Bürger geben würde, dann wäre unser Leben viel besser.“
Christian Wulff
Bundespräsident 2010–2012
3. Mai 2018
„Einer meiner liebsten Artikel ist Artikel 103, er gibt einem Verfahrensprinzip Verfassungsrang: Er verpflichtet dazu, immer alle Seiten zu hören, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Richten wir uns aus an unserem Grundgesetz!“
Bettina Limperg
Präsidentin des Bundesgerichtshofs
19. November 2018
„Wir gehen auf dünnem Eis: Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind keineswegs selbstverständlich – Demokratie braucht Demokraten.“
Peter Müller
Ministerpräsident a. D. und Bundesverfassungsrichter
8. Mai 2019
„Pflanzen und Tiere und Menschen bedingen einander. Wir müssen an diesen Bund immer wieder erinnern und ihn erfüllen.“
Tanja Kinkel
Schriftstellerin
6. November 2019
„Es gehört zu den elementaren menschlichen Erfahrungen, dass Freiheit auf Gemeinschaft angewiesen ist. Und Selbstbestimmung ist nur dadurch möglich, dass wir Teil einer größeren Gemeinschaft sind.“
Wolfgang Huber
Bischof a. D. und ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD
12. November 2020 (online)
„Toleranz benötigt ein entschlossenes Ja zur Intoleranz, nämlich dann, wenn Toleranz und Freiheit bedroht sind. Toleranz und Verteidigen gehören so zusammen …“
Joachim Gauck
Bundespräsident 2012–2017
23. November 2022
„Kunst ist zu einem Zeitphänomen degeneriert. Man sucht sich in eventhafter Prostitution dem Unterhaltungsbedürfnis einer desinteressierten Masse anzubiedern. – Der Tod hasst die Kunst, denn sie ist geglaubt – ewig.“
Markus Lüpertz
Maler und Bildhauer
15. Juni 2023
„Krisen sind Chancen, und große Krisen sind große Chancen, aus denen Zuversicht und Selbstbewusstsein wachsen können.“
Wolfgang Schäuble (1942–2023)
Bundestagspräsident a. D. und Minister a. D.
2. November 2023
„Dann zitter ich halt! Parkinson ist kein Todesurteil. Macht aus Betroffenen keine Dauerkranken, die man bemitleidet. Informiert Euch!“
Frank Elstner
Showmaster
24. April 2024
„Der Sozialstaat ist ein Fundament für unser Leben, kein Trostpflaster.“
Verena Bentele
Präsidentin des Sozialverbands VdK
27. November 2024
„Der Mensch in seiner Würde muss Leitstern der Gesellschaft sein. Mein Motto ist: Pro Mensch.“
Abt Nikodemus Schnabel
Abt der Dormitio-Abtei Jerusalem
21. Mai 2025
„Der Holocaust an 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa wurde jahrelang geleugnet und verdrängt.“
Romani Rose
Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
6. November 2025
„Wir benötigen ein Grundvertrauen, um auf andere Menschen zuzugehen und im wertschätzenden Meinungsaustausch nach Problemlösungen zu suchen.“
Karl-Heinz Wiesemann
Bischof von Speyer
22. April 2026
„Auch in schwierigen gesellschaftlichen Streitfragen, wie dem Umgang mit Intersexualität, Schwangerschaftsabbruch oder Sterbehilfe ist es möglich, gemeinsame Positionen ohne faule Kompromisse zu entwickeln – die kommunikative Gemeinsamkeit kann uns weit tragen.“
Prof. Dr. Claudia Wiesemann
Medizinethikerin
22. April 2026
Bildnachweis: Stephan Gilliar, Martin Heintzen, Thomas Rebel, Andrea Fabry, Markus Gilliar, Gaby Krass, Roland Schäfer